Stellen Sie sich vor, Sie würden an einer Lotterie teilnehmen, in der die Gewinn-Chancen nicht bei 1:14.000.000 liegen, sondern bei 1:9. Tatsächlich nimmt jeder Bundesbürger an einer solchen Lotterie teil, ob er will oder nicht. Statistisch wird jeder neunte in einen Unfall verwickelt, Jahr für Jahr. Dies entspricht weit über 20.000 Unfällen am Tag oder einem Unfall alle 4 Sekunden. Natürlich endet nur ein Bruchteil dieser Unfälle mit einer bleibenden Invalidität oder gar tödlich, doch das Risiko ist nicht zu unterschätzen.
Die private Unfallversicherung kann zwei verschiedene Folgen von Unfällen finanziell absichern:
- Invalidität (dauerhaften Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit nach einem Unfall)
- Unfalltod
In beiden Absicherungen bestehen Schnittmengen zu anderen Versicherungen: zur Risikolebensversicherung und zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Unfallversicherung deckt jedoch nur den unfallbedingten Teilbereich aus dem Spektrum dieser allgemeineren Versicherungen ab. Wenn also eine Hinterbliebenenabsicherung im Vordergrund steht, sollte zunächst über eine Risikolebensversicherung nachgedacht werden. Steht die Einkommenssicherung im Vordergrund, sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung die erste Wahl.
Dennoch gibt es Personengruppen, für die eine ergänzende Unfallversicherung sinnvoll ist. Dies sind zum einen jüngere Menschen, denn das Unfallrisiko nimmt mit zunehmendem Alter, insbesondere bei Personen ab 40 Jahren, deutlich ab. Zu einer anderen Risikogruppe zählen aktive Sportler, die z.B. regelmäßig Fußball und so ein erhöhtes Verletzungsrisiko aufweisen (zu 18% aller Unfällen kommt es bei Sport und Spiel). Schließlich sind Vielfahrer zu nennen: zwar ereignen sich nur ca. 13% aller Unfälle im Verkehr, doch ist hier der Anteil von schweren Verletzungen und Todesopfern am höchsten. Ansonsten verteilen sich Unfälle wie folgt:
- Freizeit (20%)
- Privater Haushalt (19%)
- Beruf (30%, Risiko teilweise durch gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt)
Die Leistungen der privaten Unfallversicherung bestehen im wesentlichen aus zwei Komponenten:
- Kapitalzahlung im Todesfall (die Absicherung ist erheblich günstiger als eine Risikolebensversicherung, dafür kommt es nur in unfallbedingten Todesfällen zu einer Auszahlung)
- Kapitalzahlung bei Invalidität (die Absicherung ist erheblich günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung, jedoch kann eine Berufsunfähigkeit erheblich mehr Ursachen haben als einen Unfall)
Diese Auszahlung bei Invalidität ist der Kernpunkt einer Unfallversicherung. Sie kann beispielweise genutzt werden, um ein Auto oder die Wohnung behindertengerecht umzubauen, eine Haushaltshilfe zu finanzieren oder privatärztliche Spezialbehandlungen zu bezahlen, die von der gesetzlichen Sozialversicherungen nicht übernommen werden. Die Höhe der Kapitalauszahlung resultiert aus der Invaliditätsgrundsumme, der Progression und nicht zuletzt der Gliedertaxe:
Invaliditätsgrundsumme: Dies ist die Summe, die je nach Grad der Invalidität prozentual ausgezahlt wird (z.B. bei 30% Invalidität 30% der Grundsumme) - Progression: Die Invaliditätsgrundsumme kann durch eine Progression bei höherer Invalidität angehoben werden. Bei einer Progression von z.B. 500% kommt bei einem Invaliditätsgrad von 100% das 5-fache der Grundsumme zur Auszahlung (vgl. Abbildung aus Finanztest). Anstatt eine Progression von über 500% zu wählen, sollten sie besser die Grundsumme entsprechend anheben.
- Gliedertaxe: Sie bestimmt, zu wieviel Prozent eine Verletzung zum Invaiditätsgrad beiträgt (z.B. kann der Wert für eine verlorene Hand in der Gliedertaxe ja nach Tarif zwischen 40% und 70% schwanken). Weitere Beispiele zur Gliedertaxe finden Sie bei den Beispielen für Versicherungsleistungen.
Weitere Leistungen wie z.B. Invaliditätsrenten oder die Höhe der übernommenen Bergungskosten sollten bei der Auswahl eines Tarifes nicht im Mittelpunkt stehen. Vielmehr sollte die Konzentration auf der Kapitalauszahlung liegen, denn durch eine ausreichenden Invalditätsleistung können andere Service-Angebote, die den Beitrag unnötig erhöhen, finanziert werden. Grundsätzlich raten wir von Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr ab, da die Beiträge unverhältnismäßig hoch sind. Zudem sollte eine Risikoabsicherung nicht mit renditeschwachen und unflexiblen Kapitalanlagen kombiniert werden.
Für die Berechnungen mit verschiedenen Grundsummen und Progressionen steht ihnen der Versicherungsrechner direkt online auf BV.net zur Verfügung. Weitere ausführliche Informationen zur Privaten Unfallversicherung hat das Informationszentrum der deutschen Versicherer in unserer Broschüre für sie zusammengestellt.


